Am 19.06.2010 fand im Oderhaus bei Sankt Andreasberg auf Einladung der Nationalparkverwaltung Harz ein Treffen der Luchsbeauftragten der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen statt. Im Rahmen dieser Beratung wurde von Ole Anders u.a. der Jahresbericht 2009 zum Luchsprojekt des Nationalparks vorgestellt. Dieser Bericht enthält für uns Jäger einige interessante Aussagen.
Nach einer Auflistung in diesem Bericht sind im Zeitraum von 2000 bis 2006 insgesamt 24 Luchse ausgewildert worden. Zwei Jungluchse aus Wernigerode sind 2007 in die Freiheit gelangt. Dazu kommt bis Ende 2009 eine nachgewiesene Anzahl an Jungtieren von 71 Stück. 17 Abgänge sind zu verzeichnen (verendet oder eingefangen). Dies würde eine rechnerisch ermittelte Gesamtzahl von 80 Luchsen zum Ende des Jahres 2009 bedeuten. Allerdings sind Dunkelziffern sowohl bei den Geburten als auch bei den Abgängen wahrscheinlich. Mit Hilfe der Radiotelemetrie versucht die Nationalparkverwaltung seit 2008 einen besseren Überblick über die Verteilung der Tiere im Harz zu erhalten.
Zur Zeit ist noch ein Luchs mit einem funktionstüchtigen Halsbandsender versehen. In Auswertung der Sendedaten der ursprünglich vier besenderten Luchsen, ist teilweise ein ausgesprochenes Wanderverhalten zu erkennen. Das Streifgebiet des einzigen besenderten Weibchens lag bei 137 km². Ein erwachsenes Männchen nutzte innerhalb eines knappen Jahres 314 km². Besonders bemerkenswert ist das Verhalten eines anderen Männchens, welches den Harz zwischen Ilfeld und Wernigerode mehrfach überquerte und zwei von einander getrennte Streifgebiete nutzte (im Süden rund 610 km² und im Norden rund 322 km²). Der vierte besenderte Luchs, ein einjähriges Männchen, verließ den Harz und hält sich mittlerweile bei Kassel auf. Die Reviere der weiblichen und männlichen Tiere können sich überschneiden, so dass ich davon ausgehe, dass der Harz mit seinen 2.226 km² rund 11 bis 16 Luchsreviere für Mutterfamilien und einzelne Kuder bietet.
Das Nahrungsspektrum der Luchse ist vielfältig. Der Hauptanteil an Beute ist das Rehwild. Aber auch Rotwildkälber, Schmaltiere, Muffelwild und Hasen stehen auf den Speisezettel des Luches. Risse von Wildkatzen kommen ebenfalls vor. In Auswertung der Luchsberichte 2008 und 2009 kann man feststellen, dass ein Luchs ca. alle 4 Tage ein Beutetier reißt. Dennoch ist in Auswertung der Jagdstrecken im Bereich der Jägerschaft Wernigerode kein Einfluss auf die Wilddichten für Reh- und Rotwild zu verzeichnen (vgl. "Unsere Jagd" Heft 7/ 2010).
Wichtiger Schwerpunkt sind die Luchsmeldungen. Hierzu bedient sich die Nationalparkverwaltung bundeseinheitlicher Kriterien zur Erfassung der jeweiligen Meldungen (sog. SCALP). Eine Übersicht der Meldungen des aktuellen Jahres mit einer interaktiven Karte ist auf der Internetseite der Nationalparkverwaltung: www.luchsmonitoring.luchsprojekt-harz.de enthalten. Hier können die Luchsmeldungen an die Nationalparkverwaltung abgegeben werden. Ich möchte aber ausdrücklich darum bitten, die Luchssichtungen direkt bei mir zu melden. In diesen Fall würde ich die Meldung an den Nationalpark und an die Geschäftsstelle des Landesjagdverbandes weiterleiten. Damit würde die Jägerschaft eine eigene Übersicht über Luchsmeldungen erhalten.
Unbestritten ist der Luchs direkter Konkurrent für uns Jäger. Aber angesichts der vielen negativen Veränderungen in der Landschaft ist es auch ein Ausdruck einer intakten Umwelt, wenn der Luchs in unseren Harzwäldern wieder heimisch wird. Daher sollten wir durch Sicht- und Rissmeldungen das Luchsprojekt des Nationalparks Harz unterstützen und ein kritischer Begleiter der Entwicklung des Luchses im Harz sein.
Informationen über den Luchs findet Ihr insbesondere im Internet:
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Torsten Sinnecker
Luchsbeauftragter
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Kontakt: dienstl. 03941/ 5970 7781
privat: 039452/ 80619 oder 0160/ 9475 1610
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